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Erinnerungen an den "Monaco"

Samstag, der 14. Juni 1997: ein trauriger Tag für die "Monaco"-Fangemeinde.  Helmut Fischer stirbt in einer Klinik im Chiemgau/Oberbayern - selbst für seine Freunde und Kollegen völlig unerwartet und unfassbar.

Helmut Fischer © Edith von Welser-UdeEs war bekannt, dass Helmut Fischer schon lange eine kaputte Bandscheibe hatte. Sein seltsam anmutender, staksiger Gang war keine Marotte, sondern  schmerzbedingt.

Jedoch wussten bis zuletzt nur seine Ehefrau Utta und engste Vertraute, dass er seit 1993 einen tückischen Krebs in sich barg. Kein Mitleid und kein "Gerede"  wollte Helmut Fischer, bis zuletzt hat er fest daran geglaubt, die tödliche  Krankheit zu besiegen.

Zur Trauerfeier in der Aussegnungshalle des Münchner Nordfriedhofs am 19.  Juni 1997 kamen mehr als 1.000 Menschen. Nicht nur seine Schauspielkollegen,  Regisseure, Autoren und Freunde, sondern auch die betroffenen Bürger. Der letzte  Vorhang für einen großen Volksschauspieler. Seine letzte Ruhe fand Helmut Fischer nach eigenem Wunsch auf dem kleinen und idyllischen Bogenhausener  Friedhof. Dort, wo unter anderem auch Walter Sedlmayr und Rainer Werner Fassbinder begraben sind.

In Deutschland populär, in München geliebt

Die Abendzeitung, für die Helmut Fischer während seiner "Durststrecken-Jahre"  als Filmkritiker gearbeitet hatte, schrieb: "München weint". Und Helmut Fischers  Freund und Nachbar, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, sagte in seiner ergreifenden Trauerrede: "Dieser Abschied schmerzt besonders. Noch zur  Jahreswende haben wir Pläne geschmiedet ... Sein Tod bedeutet einen  unersetzlichen Verlust ... Er hat sich mit vielen liebenswerten Rollen, vor allem aber als Monaco Franze, in die Herzen des Publikums gespielt und wird  diesen Platz auch behalten ... Populär war er in ganz Deutschland - in München  wurde er geliebt".

Der Schauspieler Helmut Fischer im Interview

Filmautorin Sybille Krafft beim Interview mit Helmut Fischer © Edith von Welser-Ude"Ich habe schon als Kind diesen komödiantischen Drang gehabt"

Sybille Krafft, Autorin des BR-Porträts "Der unsterbliche Stenz - Zum  Andenken an Helmut Fischer", sprach vor fünf Jahren noch mit Helmut Fischer.  Hier exklusiv einige Auszüge des Gesprächs:


Sie sind ja ein richtiges "Münchner Kindl"...
Ich  bin in Neuhausen in der Donnersberger Straße 50a aufgewachsen. Das ist eine sehr  einfache Gegend gewesen mit einfachen Leuten, das habe ich dann sehr viel  verwerten können in meinem Beruf. Ich wäre nicht gerne elitär aufgewachsen, denn dort habe ich die Leute kennen gelernt.

Wollten Sie schon als Bub Schauspieler werden?
Ich habe schon als Kind diesen komödiantischen Drang gehabt. Ich war ein fanatischer Kinogänger und saß immer auf dem "Rasierplatz" ganz vorne - weil es das Billigste war. Weil man da so weit raufschauen musste, nannte man das "Rasierplatz". Und da habe ich dann alles schon mitgespielt - mit den Händen in der Luft rumgefuchtelt - bis  die Nachbarn alle geschaut haben. Das war mein komödiantischer Trieb und ich wollte schon immer Schauspieler werden.

Ihre ersten Berufsjahre waren aber nicht sehr erfolgreich?
Nein,  das kann man wirklich sagen. Ich habe bis zum meinem fünfzigsten Lebensjahr keinen Erfolg gehabt. Ich habe solche Rollen gespielt, die in der Kritik gar  nicht vorkamen, weil sie zu klein waren.

Wie haben Sie sich denn damals über Wasser gehalten?
Ich habe alle  möglichen Jobs gemacht - furchtbare. Ich habe Uhren vertreten von Haus zu Haus, denn damals gab es noch keine solchen Uhrenläden wie heute. Entsetzlich. Dann habe ich - wenn jemand nett war - ihn überredet, dass er ja keine Uhr kauft. Irgendwie wurstelt man sich durch, aber es hat mich arg belastet, wenn man nicht weiß, wie man die Miete bezahlen soll - und das fast bis zu meinem 50. Lebensjahr.

Der große Durchbruch kam dann mit Helmut Dietl...
Ja, zuerst mit der BR-Serie "Der ganz normale Wahnsinn" - der hat schon eine gewisse Wirkung  gehabt und daraufhin hat man sich entschlossen, dass man mit mir den "Monaco  Franze" macht. Das war dann der Durchbruch.

Haben Sie denn privat Ãhnlichkeiten mit der Figur des "Monaco Franze"?
Ich habe mit der Figur nichts zu tun. Da lacht jeder, weil mir das keiner  glaubt. Monaco Franze, das ist einer, der ist wahnsinnig leichtlebig und leichtfertig - ich bin eher schwerfällig und politisch engagiert. Das kann man sich beim Monaco Franze gar nicht vorstellen. Ich unterscheide mich in vielen  Punkten von der Figur - es ist halt dieselbe Humorlage.

Hat der "ewige Stenz", wenn er in die Jahre kommt, damit Probleme?
70 Jahre, das ist ja sehr unangenehm. Rein die Zahl ist ja abenteuerlich für jemanden, der denkt, dass der gerade noch 20 war. 70 Jahre zu werden ist nicht angenehm, es ist eigentlich miserabel. Man weiß, die allergrößte Wegstrecke hat  man hinter sich. Ich werde aber weder abgeklärt noch weise, dazu bin ich zu  emotional, zu hysterisch.

Der lange Weg zum Erfolg - Die Biografie

Als Mensch war Helmut Fischer immer beliebt. Als Schauspieler brauchte er  lange, bis er den Richtigen traf, der sein Genie erkannte und seine Begabung zum  Erfolg führte ...

Ein "Gassenkind aus Neuhausen"

Helmut Fischer in einer Szene aus 'Monaco Franze'Am 15. November 1926 wurde Helmut Fischer in München-Neuhausen geboren. Sich selbst bezeichnete er als "Gassenkind aus der Donnersberger Straße, renitent, anarchisch und schulfaul". An seine Schulzeit erinnerte er sich mit Grauen und  erzählte stirnrunzelnd: "Die Rupprecht-Oberrealschule hat mich 1939, nach der 7.  Klasse, vorzeitig entfernt. Der Direktor riet mir zum Abschied, Schaffner bei  der Straßenbahn zu werden."

Die Mutter dagegen - einst Stummfilmpianistin im Kinopalast am Harras - hatte  sich gewünscht, dass der Bub die Beamtenlaufbahn einschlägt. "Dann hast einen  sicheren Posten und kriegst eine schöne Pension", sagte sie zum Filius. Doch der  nahm stattdessen Unterricht bei Otto Falckenberg, weil er davon träumte, Schauspieler zu werden. Das wurde er dann auch - allerdings viele Jahre ohne Erfolg.

Niederschmetternde Kritiken zum Bühnendebüt

Die "vernichtenden" Kritiken, die Helmut Fischer nach seinem Bühnendebüt am  Würzburger Stadttheater 1952 als Herzog Albrecht III. in Hebbels "Agnes Bernauer" erntete, hat er lange gut aufbewahrt. Noch lange zitierte er am  liebsten jenen Feuilletonisten, der schrieb: "Man kann sich kaum die Qualen vorstellen, die man bei Helmut Fischers Agieren empfand."

Selbstironisch griff Fischer solche Kritiken auf. Die Tatsache, dass er im Juli 1953 "als armer Schlucker" seine Utta zum Standesamt führte, kommentierte  Helmut Fischer später so: "Sie nahm mich, obwohl ich zu keinerlei Hoffnungen  berechtigte und hielt trotz meiner zahlreichen Misserfolge immer zu mir."  Insgesamt 45 Jahre lang.

Debüt im Bayerischen Fernsehen 1961

Sein Schauspieldebüt im Bayerischen Fernsehen - 1961 als Friseur in Ludwig Thomas Komödie "Die Lokalbahn" - bezeichnete Fischer als "schrecklich" und sagte  rückblickend: "Richtig g'schämt hab' ich mich, wie überzogen ich damals g'spielt  hab'".

Helmut Fischer und Gustl Bayrhammer in einer Szene aus 'Monaco Franze'Positiver äußerte er sich zu seinem weiteren Werdegang: "Die Zeit des unausgelasteten Schauspielers, der als Filmkritiker bei der Münchner Abendzeitung sein Zubrot verdient, endete jäh mit meinem ersten eigenen BR-TATORT". Seit 1972 war Fischer schon Assistent des damaligen  Kriminaloberinspektors Veigl (Gustl Bayrhammer, auf dem Foto mit Helmut Fischer  in einer Szene aus dem 'Monaco Franze'). Als Veigl "pensioniert" wurde, stieg Fischer 1981 zum Kriminalkommissar Ludwig Lenz auf und löste als solcher bis 1987 insgesamt sieben Fälle. "Die Macht des Schicksals" mit Fischers Freund Hans  Clarin, am 25.1.1987 erstmals im Ersten ausgestrahlt, war sein letzter TATORT.

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